Episode Details

Back to Episodes
Das lyrische Ich - Gedichte zwischen Fiktion und Wahrheit

Das lyrische Ich - Gedichte zwischen Fiktion und Wahrheit

Published 9 months, 4 weeks ago
Description

Wer spricht in oder durch ein Gedicht? Die Vermutung liegt nahe, dass sich Autor und Autorin hier persönlich ausdrücken. Doch die Stimme eines Gedichts, auch lyrisches Ich genannt, kann viele Rollen oder Haltungen einnehmen. Steht das Werk also immer für sich ? egal, wie krass sich die dichtende Person danebenbenimmt? Von Justina Schreiber (BR 2024)

Credits

Autorin dieser Folge:Justina Schreiber
Regie: Ron Schickler
Es sprachen: Katja Amberger, Susanne Schroeder
Technik: Susanne Herzig
Redaktion: Susanne Poelchau

Im Interview:
Prof. Dr. Matías Martínez, Literaturwissenschaftler und Leiter des Institutes für Erzählforschung an der Uni Wuppertal

Literaturtipps:

Roland Barthes, „Der Tod des Autors“: Kleiner Text, der den strukturalistischen Ansatz des berühmten französischen Philosophen verdeutlicht.

Matías Martínez, „Das lyrische Ich. Verteidigung eines umstrittenen Begriffs.“ In: Heinrich Detering (Hrsg.): „Autorschaft: Positionen und Revisionen. Stuttgart 2002, S. 376–389.


Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast
Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.
ZUM PODCAST

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
ARD Audiothek | RadioWissen
JETZT ENTDECKEN

Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

MUSIK Flicker of Flame 00:43min

ZITATORIN:

Ich ging im Walde so für mich hin.

SPRECHERIN:

Goethes Gedicht „Gefunden“ scheint ein individuelles Erlebnis zu veranschaulichen. Sieht man den lustwandelnden Dichter nicht förmlich vor sich, wie er am Wegrand dieses Blümchen entdeckt…? 

ZITATORIN:

Wie Äuglein schön, 

SPRECHERIN:

Und wie er es dann doch nicht pflückt…

ZITATORIN:

Ich wollt es brechen,

SPRECHERIN:

Aber das schöne Blümchen legt Protest ein. Es will nicht dahinwelken müssen. Na gut, dann wird es eben verpflanzt:

ZITATOR:

Ich grub’s mit allen

Den Würzlein aus.

Zum Garten trug ich’s

Am hübschen Haus.

SPRECHERIN:

Goethe schickte dieses Gedicht seiner Ehefrau Christiane Vulpius im August 1813 zum 25-jährigen Jubiläum ihrer Beziehung. Es bietet sich also förmlich an, das Blümchen mit seiner Lebensgefährtin gleichzusetzen. Schließlich war ihr der Dichter zwar nicht im Wald, aber doch im Weimarer Park an der Ilm erstmals begegnet. War er damals etwa aufdringlich geworden? Hatte sie sich zur Wehr setzen müssen? Man könnte durchaus annehmen, dass das Ich, das aus dem Gedicht spricht, mit dem Autor eng verwandt ist, sagt der Literaturwissenschaftler Matías Martínez. 

O-TON 01: (Martinez)

„Die Gattung der Lyrik legt es besonders nahe, den Autor zu identifizieren mit dem Sprecher.“ 

MUSIK Flicker of Flame 00:40min

SPRECHERIN:

Hier spricht ein realer Mensch, eine

Listen Now

Love PodBriefly?

If you like Podbriefly.com, please consider donating to support the ongoing development.

Support Us