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Tempo! Immer schneller, immer mehr
Description
Kurz etwas essen, dabei Mails checken, noch schnell eine SMS schreiben - und schon geht's weiter zum nächsten Termin. Viele Menschen fühlen sich ständig gehetzt, Zeit ist irgendwie immer knapp. Was genau hat unser Leben so beschleunigt? Und könnten wir etwas dagegen tun? Wollen wir das überhaupt? Von Maike Brzoska (BR 2024)
Credits
Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
Regie: Martin Trauner
Es sprachen: Katja Amberger, Benjamin Stedler
Technik: Christine Frei
Redaktion: Nicole Ruchlak
Im Interview:
Gerhard Bosch, Arbeitssoziologe, Professor an der Universität Duisburg-Essen;
Jürgen Rinderspacher, Zeitforscher, Dozent an der Universität Münster;
Dietrich Henckel, Zeitforscher, emeritierter Professor der TU Berlin
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Literaturtipp:
Hartmut Rosa, „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, 2005, Suhrkamp Verlag – ein Klassiker der Zeitforschung, der die Steigerungslogik moderner Gesellschaften anschaulich macht.
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
SPRECHERIN
Eine Fußgängerzone vormittags an einem klaren Sommertag: Viele Menschen sind unterwegs, einige flanieren, andere hasten durch die Einkaufsmeile, tragen Tüten von Geschäft zu Geschäft. Auf den ersten Blick wirkt alles wie immer – wäre da nicht die kleine Gruppe Forschender, die unauffällig am Gehsteig-Rand mit Stoppuhren hantiert. Denn die Fußgänger sind Teil eines Experiments, sagt der Zeitforscher Dietrich Henckel. Er ist emeritierter Professor der TU Berlin und war selbst nicht an dem Experiment beteiligt.
01 O-TON (Henckel)
Da haben sie bestimmte Straßen in den Innenstädten ausgewählt und haben tatsächlich gemessen, wie schnell die Leute bestimmte Strecke zurücklegen. Und das haben sie mit einer Vielzahl von Leuten gemacht und dann eben die Durchschnittsgeschwindigkeit daraus berechnet.
SPRECHERIN
Die Messung der Gehgeschwindigkeit war Teil eines größeren Projekts. Ein Forschungsteam um den amerikanischen Sozialpsychologen Robert Levine wollte wissen, wie sich das Lebenstempo in Städten weltweit unterscheidet. Dafür reiste das Team in 31 Länder, um mehrere Indikatoren zu erheben. Neben der Gehgeschwindigkeit ermittelten sie auch, wie lange es in einem Land dauert, eine Standard-Dienstleistung zu erbringen.
02 O-TON (Henckel)
Das war der Verkauf einer Briefmarke.
SPRECHERIN
Das Forschungsteam überprüfte auch, wie genau die Uhren in der Öffentlichkeit gehen. Das werteten sie als Indiz für Pünktlichkeit und Zeitspannen, die toleriert werden. Heute dürfte dieser Indikator veraltet sein.
03 O-TON (Henckel)
Weil die öffentlichen Uhren verschwinden zunehmend aus de