Episode Details
Back to Episodes
Hokusais große Welle: Wirbel um ein Bild vom Meer
Description
"Die große Welle vor Kanagawa" ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt. Der Farbholzschnitt des Japaners Katsushika Hokusai inspirierte schon die Künstler der klassischen Moderne, heute findet man sie auf Tassen, T-Shirts und Tapeten. Aber was ist so Besonderes an einem Bild von einer Welle? Von Julie Metzdorf (BR 2024)
Credits
Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf
Regie: Christiane Klenz
Es sprach: Xenia Tiling
Technik: Lorenz Kersten
Redaktion: Karin Becker, Andrea Bräu
Im Interview:
Dr. Thomas Tabery, Leiter der Orient und Asienabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek
Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
Farben Japans - Holzschnitte aus der Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek
Jahresausstellung 2025 vom 27. März bis 6. Juli 2025 in München HIER gehts zur Website
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
ARD Audiothek | Radiowissen
JETZT ENTDECKEN
Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
ERZÄHLERIN
Im Vordergrund: Eine riesige Welle. Vom linken Rand aus rollt sie in das Bild hinein, nimmt die gesamt linke Bildhälfte ein, oben reicht sie bis knapp unter den Rand des Bildes. Wir sehen genau den Moment, in dem die Welle zu brechen beginnt, am Wellenkamm hat sich weißer Schaum gebildet, Gischt spritzt und gleich wird dieser Wasserberg in sich zusammenstürzen: „Die große Welle vor Kanagawa“ ist ein Farbholzschnitt aus dem Jahr 1830, geschaffen vom japanischen Künstler Katsushika Hokusai. Thomas Tabery, Leiter der Orient und Asienabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek:
1 OT Welle
Ob sie tatsächlich realistisch ist, das ist die Frage. Sie wurde immer wieder auch als ein Tsunami dann später interpretiert. Ich glaube nicht, dass es sich dabei um einen Tsunami handelt, ich glaube nicht, dass Hokusai das darstellen wollte. Durch verschiedene gegenläufige Wellenbewegungen in einem Meer können wohl in der Bucht von Tokio solche Wellen entstehen.
MUSIK 2 ( Ryuichi Sakamoto: Rain (I Want A Divorce) 0‘34)
ERZÄHLERIN
Das tiefe Wellental gibt den Blick auf den Hintergrund frei. Dort erhebt sich, in aller Ruhe, ein schneebedeckter Berg. Die Ruhe, die er ausstrahlt, hat etwas mit seiner Form zu tun: die Hänge bilden ein gleichschenkliges, absolut symmetrisches Dreieck. Der Berg liegt in der rechten Bildhälfte, mit viel Himmel über sich, als große cremefarbene Fläche. Im Vergleich zur Welle ist er winzig klein, in Wahrheit handelt es sich um den höchsten Berg Japans: den Fuji.
2 OT Fuji
Ein Vulkanberg, mit knapp 3800 Metern Höhe, und dieser Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen diesem dramatischen Geschehen und diesem fern entrückten Heiligenberg im Hintergrund, gibt dem Bild eine gewisse Spannung.
ERZÄHLERIN
Im Rahmen der japanischen Shinto-Religion wird der Fuji als heiliger Berg verehrt, mehr als 1300 Schreine am Fuß und am Hang des Bergs sollen die in ihm wohnende Gottheit besänftigen. Auch im japanischen Buddhismus gilt eine Besteigung des Bergs als Ausdruck des Glaubens. Und selbst Nichtgläubige können dem Fuji einiges abgewinnen: wegen seiner symmetrischen Kegelfor