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SBP013 - Rasende Feuerkugel, süßsauer
Description
SBP013 - Rasende Feuerkugel, süßsauer
Eine Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen
In Ausgabe 13 des Science Busters Podcasts geht es um die Welt der Mikroorganismen. Wir können sie zwar nicht sehen und sie uns auch nicht. Aber das hält sie nicht davon ab, unsere Welt in jeglicher Hinsicht zu beeinflussen.
Publikumsfrage: Können Bakterien in Gift leben
Jakob hat uns eine sehr gute Frage gestellt. Vor allem weil man sie in zwei spannende Richtungen beantworten kann. 1) Gibt es Lebewesen, die mehr aushalten als wir? Und 2) Wir wissen ja, dass es auf anderen Himmelskörpern sehr viel lebensfeindlicher ist als auf der Erde. Wir können dort nicht leben - aber gibt es Lebewesen, die das vielleicht doch können und wenn ja, wo?
Antwort 1: Wir Menschen sind Weicheier. Uns kann man leicht umbringen, wir halten nix aus. Aber die Mikroorganismen sind viel widerstandsfähiger als wir. Vor allem die Archäen, die wirklich cool sind und nicht umsonst zu den “Extremophilen” zählen. Dass es Archäen überhaupt gibt, hat Carl Woese erst in den 1960er Jahren entdeckt. Beziehungsweise hat man sie davor schon auch gekannt, allerdings für Bakterien gehalten. Dass es sich dabei um völlig andere Lebewesen handelt, die enger mit uns Menschen verwandt sind als die Bakterien, hat man allerdings erst dank moderner Gentechnik herausgefunden.
Ein Beispiel für ein spannendes Archaeon ist Pyrobaculum calidifontis. Das heißt übersetzt “Feuerstäbchen aus der heißen Quelle”. Und in heißer Quelle auf Philippinen hat man es auch entdeckt. Es kann mehr als 90 Grad aushalten und Wasserstoffperoxid unschädlich machen. Das ist nicht nur praktisch für das Archaeon, sondern auch für uns Menschen, weil wir uns seine chemischen Tricks für unsere Wirtschaft zunutze machen können. Zum Beispiel bei der Herstellung von Kleidung.
Oder Halobacterium noricense. Das hat man in einem Salzbergwerk bei Altaussee entdeckt, hunderte Meter tiefe Salzschicht. Es setzt bei Kontakt mit radioaktiven Materialen Phospat frei und kann radioaktives Material binden. Wenn uns also wirklich nichts besseres für unseren Atommüll einfällt, als ihn irgendwo zu verbuddeln, könnte dieses Archaeon als Wächter dienen, falls doch mal was damit passiert.
Und um Jakobs Frage noch explizit zu beantworten: Im Jahr 2010 hat die NASA behauptet, ein Bakterium entdeckt zu haben, dass nicht nur in einem Arsenhaltigen See lebt, sondern das giftige Arsen sogar zum Aufbau seiner DNA nutzen kann. Das wäre eine Sensation gewesen, war aber leider trotzdem falsch. Aber dennoch gilt: Es gibt jede Menge Bakterien, die dort leben können, wo es für uns giftig ist.
Antwort 2: Können Mikroorganismen auf anderen Himmelskörper leben? Vermutlich. Wir haben aber noch nix entdeckt. Aber wenn, dann ist der Saturnmond Enceladus ein guter Kandidat für eine Suche. Dort gibt es Kryovulkanismus mit Schneematsch statt Lava. Dort hat man auch Methan gefunden und all das könnte bedeuten, dass im Wasserozean unter der Eisdecke Enceladus’ Mikroorganismen leben. Ruth-Sophie Taubner von Uni Linz hat das Archaeon Methanothermococcus okinawensis untersucht. Es wurde in derTiefsee entdeckt, lebt bei hydrothermalen Quellen bei mehreren 100 Grad heißen Wasser und macht aus CO2 und Wasserstoff Methan. Könnte es das auch auf Enceladus tun? Das hat Taubner im Labor nach- und festgestellt: Es klappt! Um zu checken ob es “Alien-Archaen” gibt, müsste man aber auf Enceladus landen und unters Eis schauen.
Die Forschungsarbeit von Taubner kann man hier nachlesen. Über Kryovulkanismus kann man sich in einer Folge von Florians Sternengeschichten weiter informieren.