Episode Details

Back to Episodes
"Ich muss erst mal überlegen, ob Sie mir nicht zu viel reden!" - mein skurrilstes Bewerbungsgespräch ever - unvergessen!

"Ich muss erst mal überlegen, ob Sie mir nicht zu viel reden!" - mein skurrilstes Bewerbungsgespräch ever - unvergessen!

Episode 140 Published 4 years, 8 months ago
Description
"Ich muss erst mal überlegen, ob Sie mir nicht zu viel reden!" - mein skurrilstes Bewerbungsgespräch ever - unvergessen!

Man(n) rechnet ja echt mit vielem, wenn man in Bewerbungsgespräche geht. Obwohl die meisten nur langweiliges Schema-F sind, bis dann "völlig überraschend" die Frage nach drei Stärken und Schwächen kommt - wow, wie originell und noch nie da gewesen. Aber dass man als Bewerber, und noch nicht mal auf eine Führungsrolle, plötzlich gezwungen ist, die Gesprächsleitung zu übernehmen und mit null Rückkopplung bis schon fast zum Ende des Gesprächs führen muss, das ist mir bisher auch erst einmal passiert...  Also, was tun, wenn aus einer unverständlichen Terminvereinbarung ein spontanes Telefoninterview wird? Reden!

 

Ich habe schon viele skurrile Bewerbungsgespräche erlebt - auf beiden Seiten des Tisches. Ich saß mal bei einem Verlang in Wiesbaden, der seine eigenen Produkte nicht kannte, mich aber intensiv über sein Sortiment befragte. In München, brutaler Anfängerfehler, bin ich, zu einer Zeit, in der es noch kein Google Maps gab, eine ganze Stunde zu früh zum Termin erschienen. Ein Düsseldorfer Telekommunikationsanbieter wollte mich mit einer etwas cholerischen Art aus der Reserve locken und nannte es im Nachgang, als der Personaler dazu kam, sein obligatorisches Stressinterview. Ich erlebte Kandidaten, die schon in der Selbstvorstellung so den Faden verloren hatten, dass die best gemeinten Fragen nur noch mit "Oh, eine Fangfrage!" quittiert wurden - hat einem aber den ganzen Nachmittag freigeräumt, wenn so ein interview plötzlich nach zehn Minuten vorbei ist.

Und wer viele Interviews erlebt, erlebt auch gute und schlechte Personaler. Wobei die Mehrheit nur glaubt, sie wäre wirklich gut - in Wahrheit sind sie schlecht vorbereitet und nennen es "Unvoreingenommenheit". Sie haben sich nicht mit der Bewerbung auseinandergesetzt oder tauchen gar mit falschen Unterlagen im Bewerbungsgespräch auf. Oder sie kommen nur als Erfüllungsgehilfe, falls die Führungskraft, die das Gespräch führt, "falsch abbiegt".

Aber was macht man, wenn der Personaler am anderen Ende, der einen angerufen hat, schon mit einer Terminvereinbarung zu einem Vorstellungsgespräch maßlos überfordert ist? Spielen wir es mal durch: Das Telefon klingelt, unbekannte Nummer. Du meldest Dich - und erst mal passiert nichts. Dann nach "endlosen" Sekunden ein Firmenname und noch ein Name, mal wolle mit dir nun telefonisch einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. Proaktiv teilst Du dem Anrufer mit, dass Du die ganze Woche verfügbar bist, nur Freitag Mittag bist Du für 90 Minuten geblockt. Wieder eine ziemlich lange Bedenkzeitpause. Dann die wenig erhellende Aussage: "Ah, dann haben Sie wohl keine Zeit?".

Ist das der örtliche Lokalsender, den dir ein Kumpel auf den Hals gehetzt hat? Also, probieren wir es ein wenig detaillierter. "Ich kann heute, Montag, den ganzen Nachmittag. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag haben Sie freie Auswahl. Und Freitag kann ich von 5 bis 11:30 und dann wieder ab 13 Uhr bis 23 Uhr." Das sollte doch jetzt verständlich sein. Nein, nicht für mein Gegenüber: "Ja, wenn es Ihnen zeitlich nicht passt, dann können wir auch nächste Woche in einem neuen Telefonat einen neuen Termin ausmachen!".

BLOSS NICHT! Der ist so doof und ruft noch glatt den Falschen an! Also, nochmal: "Ich merke, Sie wollen den Termin am Freitag vereinbaren. Wollen Sie den Vormittag oder den Nachmittag? Ich stehe nur von 11:30 bis 13 Uhr nicht zur Verfügung - das ist aber sowieso die Mittagszeit, das kann ja nicht so schlimm sein, oder?"

Da kommst du nie drauf, was jetzt kommt! Überlege scharf.... drei, zwo, eins... ich löse. Er sagt zu mir: "Also können Sie Freitag nicht?"

Kennt ihr das Gefühl, wenn meinen seinen Mitmenschen, liebevoll, aber doch mit Kraft, auf den Hinterkopf schlagen möchte, dass die Stirn auf den Schreibtisch klatsch? Ich auch nich

Listen Now