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#16 - Mediation und Marketing II - Paradoxien beim Mediationsmarketing
Description
Herzlich Willkommen zu den EdM,
dem Podcast von INKOVEMA zu den praktischen Fragen der Mediation und des Konfliktmanagements.
Ich bin Sascha Weigel und das ist Folge 16 - Mediation und Marketing II - Paradoxien beim Mediationsmarketing
Wenn wir von der Praxis der Mediation sprechen, dass müssen wir vor allem über das sprechen, was zeitlich einer Mediation vorausgeht, nämlich die werbende Ansprache von Mediator*innen und die bejahende Entscheidung für die Mediation durch die Konfliktparteien. Denn wenn die Mediation einmal zustande gekommen ist und begonnen hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie vorzeitig und ungelöst beendet wird, vergleichsweise gering. Starten Mediationen, führen sie in den allermeisten Fällen zu gemeinsamen Entscheidungen. Oder anders gewendet: Die Praxis von Mediation scheitert an der mangelhaften Praxis von Mediation.
> Die Praxis von Mediation scheitert an der mangelhaften Praxis von Mediation.
Deshalb müssen wir hier in diesem Lehrpodcast über Marketing sprechen.
Heute möchte ich Zwei wichtige Fehlannahmen im Mediationsmarketing ansprechen und zur Überlegung und Debatte stellen.
**1. Wer sich um Mediationen bewirbt, sollte das nicht bei Konfliktparteien tun. Konfliktparteien sind die denkbar ungünstigsten Adressaten für die Mediationsansprache.
- Anders als beim Anbieten von Luxusautos, Smartphone-Apps und Kochrezepten führt ein Mediationsmarketing in die Irre, das von der eigenen Liebe zur und Begeisterung von Mediation spricht. ** Weshalb?
Zur ersten Fehlannahme, dass Konfliktparteien denkbar ungünstige Marketingadressaten sind: Bei Konfliktparteien um Mediation zu werben ist wie Weihnachten ein Ostergedicht vorzutragen: nett, aber wirkungslos. Menschen, die in einem eskalierten Konflikt sind, sind von einer verengten Sichtweise geprägt, suchen eher Bestätigung ihrer Sichtweise, Koalitionspartner, statt neutrale Dritte, die sich auch um die Sichtweise der anderen Seite bemühen. Konfliktparteien suchen keine Mediation. Das unterscheidet sie von präsentationswilligen Fahrerlaubnisbesitzern, die sich nach einem Luxusauto umsehen, von Smartphone-Besitzern, die eine App benötigen und von Hungrigen, die das kochende Vorspiel genießen wollen. Konfliktparteien suchen Bestätigung, weshalb die Klage bei Freunden und bei Gericht ganz probate Problemlösungsansätze sind. Hilfreich ist es vielmehr, das soziale Umfeld eines eskalierten Konflikts in den Blick zu nehmen, um Mediation zu bewerben. Also die Elternteile und Nachbarn des scheidungsunentschiedenen Ehepaares oder die erwachsenen Kinder derart zerstrittenen Eheleute. Diese haben genügend sozialen Einfluss und ausreichende Bindekraft in der Beziehung, die Mediationsidee derart zu unterbreiten, dass sie erfolgreich injiziert werden kann. In Arbeitsplatzkonflikten wären das z.B. die Personalabteilung, die Vorgesetzten und Teammitglieder, die für ein erfolgsversprechendes Mediationsmarketing in Frage kämen. Möglich ist es natürlich auch, potenzielle Konfliktparteien anzusprechen; also Menschen, die in Konflikt geraten werden, zu einem Zeitpunkt mediative Konfliktbearbeitungsweisen zu unterbreiten, in dem der Konflikt noch nicht eskaliert oder noch gar nicht ausgebrochen ist. Da lässt sich hervorragend über antizipierende und präventive Maßnahmen sprechen, die womöglich strategisch dem Projekt- und Beziehungsziel zuträglich sind. Hier lässt die sog. Deal Mediation lauthals grüßen!
Zur zweiten Fehlannahme, dass die eigene Begeisterung und Liebe im Mediationsmarketing beseelt Ausdruck finden sollte: Wie schon erwähnt, Mediation ist kein Produkt wie eine gehypte Smartphone-App, eine schicke Luxuskarre oder ein hipes Kochrezept. Mediation ist eher wie eine Lebensversicherung, bei der es um den eigenen Tod geht, dessen Gegenwert man selbst nicht mehr verkonsumieren kann und