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#15 - Mediation und Marketing I - Drachentötermarkt, Kannibalisierungseffekte und das Missverständnis um die Mediation?

#15 - Mediation und Marketing I - Drachentötermarkt, Kannibalisierungseffekte und das Missverständnis um die Mediation?

Episode 15 Published 3 years, 6 months ago
Description
Weshalb Mediation keine Alternative zum Gericht ist, sondern eine Form zu beraten ohne Ratschlag, die ähnliche Konfliktberatungsverfahren kannibalisiert hat.

Inhalt (Transkript) Erst vor kurzem habe ich mit meiner engagierten, sehr erfahrenen Kollegin RA Dr. Susanne Perker im Podcast „Gut durch die Zeit!“ gesprochen, in Episode #112 ging es um Mediation in Familienunternehmen und mit Unternehmerfamilien, ein spannendes Thema und für Mediator*innen hochinteressant.

Und da ist ein interessantes Missverständnis zwischen uns zur Sprache gekommen: Ich brachte meine Skepsis gegenüber einigen verbreiteten Ansichten zur Mediation zum Ausdruck, so dass sich meine Gesprächspartnerin an den Diskurs zum Drachentötermarkt erinnert fühlte. In diesem Diskurs geht es um die Problematik, dass allem Anschein nach zu wenig Mediationen in Deutschland durchgeführt werden. Zu wenig, jedenfalls, im Vergleich zu den Erwartungen der Mediationsförderer, zu wenig auch im Vergleich zu den ausgebildeten Mediator*innen und zu wenig im Vergleich zu den wahrgenommenen Konflikten.

Ich finde, darüber kann man sich ja streiten. Doch vor allem unterliegt meines Erachtens dieser Diskurs einem Missverständnis, dass sich auch in dieser Metapher widerspiegelt.

Ich habe diese Metapher in diesem Podcast erstmals überhaupt verstanden! Ich dachte immer, es besagte, dass es halt mehr Drachentöter gibt als Drachen, aber Susanne machte mich darauf aufmerksam, dass die Metapher vor allem deshalb benutzt wird, dass es ja gar keine Drachen gibt und deshalb Mediatoren dumm rumstehen, weil es eben keine Mediationen gibt.

Aber für jemanden wie mich, der in einer erzgebirgischen Kleinstadt aufgewachsen ist, die das Drachentötermotiv im Stadtwappen hatte und der als Kind nahezu täglich ins Kino über den Drachenfelsen laufen musste, ist es nicht sofort einleuchtend zu behaupten, es gäbe keine Drachen. Im Kontext jedenfalls von Mediationen lässt sich jedenfalls mit Fug und Recht sagen, es gibt genügend Drachen, denn diese stehen nicht für Mediationen, sondern für Konflikte. Und von denen gibt es zuhauf. Die Frage wäre also eher, wie finden Drachen und Drachentöter zusammen - oder anders: genau hier liegt das Missverständnis!

Nur, weil Konflikte, eskalierte Konflikte zumal, sich wie Drachen in den Lebens- und Arbeitsbeziehungen aufführen, folgt daraus noch nicht, dass Mediator*innen oder Mediationen allgemein die Drachentöter sind oder das Bild des Drachentötermarktes den Mediationsmarkt erfasst.

Dazu gibt es viel zu sagen. Und einiges möchte ich dazu auch in diesem Podcast sagen, obschon sich dieser Podcast im engeren Sinne mit Episoden der Mediation befassen will. Doch wenn es wirklich „zu wenige solcher Episoden gibt“, dann gehören hier auch die Dinge angesprochen, die zu solchen Episoden hinführen.

Zugegeben, die Anzahl an Mediationen pro Jahr hat sich in Deutschland - mit Sicherheit - in den vergangenen 30 Jahren vergrößert, vielleicht sogar stetig und zuweilen exponentiell. Belastbare Zahlen gibt es kaum, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch. Erst recht, wenn man ein weites Verständnis von Mediation an den Tag legt, wie es Prof. Trenczek nahelegt, nachzuhören im Podcast Gut durch die Zeit, Episode #68.

Ich bezweifle allerdings ausdrücklich, dass diese - wenn auch zahlenmäßig ansteigenden Mediationen - überwiegend Konfliktfälle betrafen, die ansonsten vor Gericht gelandet wären. Dafür spricht auch der exorbitante Rückgang an Klagen bei den Zivilgerichten, der sich in den vergangenen 18 Jahren ereignet hat und der sich keineswegs in einem entsprechenden Anstieg an Mediationen widerspiegelt. Womöglich ist Mediation in der Tat für Konfliktparteien, die überlegen zu Gericht zu gehen, gar keine Alternative. Vielleicht ist Mediation einfach eine Methode, für die sich (ganz andere) Konfliktparteien in ganz anderen Konflikten entscheiden - oder auch nicht.

Wie erklärt sich dann der Anstieg an Mediationen? Abgeseh

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